
Früh morgens in Monmelo: Bin früh los, weil ich nicht wusste, wie das alles hier so abläuft. Noch lässt nichts auf den Andrang schliessen, der bald hier einsetzt. Vereinzelt erkenne ich ein paar MotoGP Anhänger an den T-Shirts. Überhaupt: Nächstes Mal muss ich unbedingt mein Outfit anpassen. Hier läuft niemand im Hemd rum. Alle, aber wirklich alle, bekennen sich auf T-Shirts zu einem Rennstall oder zumindest einer Motorradmarke. Mit BMW T-Shirt wäre man allerdings auch ein Exot. Gern genommen: Ducati. Jeder will halt ein Stück vom Siegesruhm abhaben.

Dann heissts erst mal gut 3 km von Monmelo zu meiner Tribüne G zu laufen. Normal kein Ding, geht aber teils bergauf und die Sonne brennt schon ganz schön runter.

Platz gefunden, super Sicht. Hab mir den Sitzplatz von ChatGPT empfehlen lassen, und was soll ich sagen, wie wenn es schon dagewesen wäre. Ich sehe das gesamte nordwestliche Kurvengeschlängel ein.
Vorbeidefilieren der MotoGP Rennfahrer. Gegenüber ist die Marc Marquez Tribüne. Hier herrscht normalerweise ein Heidenlärm, aber als er ein paar Worte zu seinen Fans sprach, war es plötzlich für ein paar Sekunden andächtig still wie in einer Kirche. Ich sitze hier eindeutig auf einer Tribüne mit vorwiegend französischen Fans, aber auch die wollten die Andacht nicht stören
Schade, den Motorensound kann wohl kein Lautsprecher adäquat wiedergeben: Das ist noch der Klang von früher, wie der von abgeschliffenen Zylinderköpfen, offenen Vergasern und ausgeräumten Auspuffanlagen, eben wie kurz vorm Kolbenfresser. Lautstarke Fehlzündungen bei jedem Drosseln, Opus 1 in C-Dur der Verbrennermotoren und ich bekenne: Bei diesem Werk bekomme ich Gänsehaut. Jeder, der sein Bike frisiert hatte, kennt diesen Sound. Die eGenerationen wissen gar nicht, was sie verpassen 🙂 Es ist eben ein Unterschied, ob zwanzig von den Dingern oder zwanzig Straßenbahnen vorbeifahren 🙂

Am restlichen Vormittag zog glücklicherweise Bewölkung auf, bis zum Nachmittag. Da knallte die Sonne dann gnadenlos durch, es war, wie wenn jemand da oben ein Brennglas auf dich richtet. Man harrt stundenlang in brütender Hitze aus, eingehüllt in eine Schicht aus Sonnencreme, Schweiss und Staub – zwischen den Rennen sehnt man sich nach einer Dusche.

Hier in Spanien scheint die Motorradbegeisterung, vor allem bei Jüngeren, spürbar ausgeprägter als bei uns in Deutschland. Und es scheinen mehr die sportlichen Modelle gefragt zu sein.

Dazu gibts aber auch die entsprechenden Preise.

Fazit: Muss man gesehen haben, würde das nächste Mal auf jeden Fall eine überdachte Tribüne wählen. Außerdem reicht der Event am Sonntag völlig, Freitag und Samstag ist eher für Hardcore-Fans.

Rückfahrt in der U-Bah: Heiß, stickig, laut, aber sehr, sehr günstig. Kein Vergleich mit Preisen in Deutschland.
